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Mai 22 2012

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Allein auf weiter Flur

Gestern hatte ich meinen ersten größeren Durchhänger.

Mir ist eigentlich von Anfang an klar gewesen, dass es nicht einfach werden wird, von Zuhause aus zu arbeiten. Ich hatte mit vielen Dingen gerechnet, insbesondere damit, dass ich mich nicht ausreichend motiveren kann und viel faulenze.

Das mit dem fleißig Arbeiten lässt sich sicherlich noch optimieren – verärgert einen letztlich aber nur. Was mich gestern jedoch besonders hart getroffen hat, war die Einsamkeit, in der man als Selbstständiger verweilen kann.

Ich wohne alleine in einer Wohnung, um mich herum nur mein Notebook, mein Kaffee und der ohrenbetäuende Lärm von der Baustelle auf der anderen Straßenseite. Und das den lieben langen Tag! Die soziale Interaktion mit anderem Menschen fehlt komplett. Klar, ab und an gibt es einmal ein Gespräch mit meinem Mitbegründer. Und manchmal geht man auch mal kurz einkaufen und bekommt von der netten Verkäuferin an der Kasse ein Lächeln geschenkt – letztlich ist dies aber nicht zu vergleichen mit einer Angestelltentätigkeit, bei der man in der Regel einen oder mehrere Kollegen in seinem Büro sitzen hat. Mal hier, mal da ein Pläuschchen hält. Privat oder geschäftlich. Aber das fehlt hier komplett! Insbesondere in der Konzeptionsphase, in welcher im Prinzip weder zu Kunden noch zu Lieferanten oder Dienstleister ein Kontakt gepflegt wird.

Alleine auf weiter Flur – ich hätte es mir nicht so schwer vorgestellt. Und das nach einer Woche…aber nun heißt es kämpfen. Neue Kontakte suchen. Etwas für seinen Traum tun.

Es war meine bewusste Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Dass er nicht einfach werden wird, damit musste man rechnen.

Über den Autor

Alexander Walz

Der in Stuttgart geborene und in Gerlingen lebende Gründer und Autor dieses Blogs Alexander Walz macht sein Abitur am Rutesheimer Gymnasium. Nach seinem dualen BWL-Studium an der DHBW Stuttgart bei einer namhaften Einkaufsgenossenschaft für Consumer Electronics und einer 2-jährigen Tätigkeitsphase entschließt er sich für den für ihn einzig richtigen Weg: Die Selbstständigkeit. Sein Credo: Gehe Risiken ein! Selbst wenn du versagst, kommt es meist nur halb so schlimm wie du es erwartet hast.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.alexanderwalz.de/organisation-strategisches/allein-auf-weiter-flur-238/

6 Kommentare

  1. Matthias

    Das Problem kenne ich nur zur gut. Am Anfang meiner Selbständigkeit war ich erst einmal froh, meine Ruhe zu haben. Ich hatte vorher viele Jahre in Großraumbüros bearbeitet und genoss erst einmal die Stille. Nach ein paar Monaten (nicht nach einer Woche!) merkte ich dann aber auch, dass mir der Kontakt zu Kollegen fehlt. Hier gibt es eben kein Schwätzchen in der Kaffeeecke und keinen Kollegen am Nachbarschreibtisch, den ich mal schnell um seine Meinung bitten kann. Mittlerweile habe ich aber gelernt, diesen Mangel an Kontakt zu direkten Kollegen anderweitig auszugleichen. Über Chats, Twitter, FB, Blogs, Mail usw. kommuniziere ich nun viel häufiger mit meinen Mitmenschen. Und ich schätze sehr daran, dass ich bestimmen kann, wann ich mit anderen in Kontakt sein will und wann nicht. Wenn ich mal ein paar Stunden Ruhe fürs Coding brauche, schalte ich eben alle Kanäle ab. :) Trotzdem wird die Einsamkeit hier im Büro irgendwann ein Grund sein, warum ich wieder in ein Büro mit mehreren Kollegen zurückkehren werde.

  2. Alexander Walz

    Hmm, aber du hast von Anfang an mit deiner Frau/Freundin zusammengewohnt oder? Das ist halt dann doch nochmal was anderes…ich schalt den PC aus und sitz dann hier alleine rum. Anonyme Alkoholiker ich komme ;-)
    In ein Büro mit mehreren Kollegen? Ich kenn da ne Firma in Ditzingen, die ggf. jemand brauchen könnte…:D Oder du expandierst einfach und stellst Mitarbeiter ein!

  3. Matthias

    Ja klar, nach Feierabend bin ich nicht allein. Aber tagsüber ist es trotzdem doof.
    Und nein: nicht so ein Büro!!! Nein!! :D Mir schwebt eher so ne kleine Bürogemeinschaft vor. Vielleicht nicht mal unbedingt in einem Büro mit mehreren Leuten aber mehrere benachbarte Büros und gemeinsame Sozialräume und so. Und am besten alle noch aus der gleiche Branche. Mal schauen …
    Das mit dem Expandieren ist auch so ne Sache. Da muss ich dann immer Chef spielen und bin weniger im kreativen Prozess. Will ich jetzt noch nicht. :)

  4. Alexander Walz

    Expandieren erst gegen später, auch gut ;-)
    Die Geschichte mit der Bürogemeinschaft hab ich noch gar nicht bedacht, grundsätzlich gar keine schlechte Idee. Käme bei mir schon leider rein wegen der Kosten vorerst nicht in Betracht…aber als Großverdiener wie du – why not ;-)

  5. Miro

    Hallo Alex!

    Vllt haben wir eine bessere Lösung für dich, als eine Bürogemeinschaft. und insbesondere eine, bei der du laufend sozialen Kontakt zur Außenwelt pflegen kannst: http://www.startwork.in
    Wir bauen eine neue Plattform, die dir dabei hilft weniger zu prokrastinieren und produktiver zu werden!

    Wir sind noch in der Beta-Phase, aber probiers doch mal aus! Vielleicht ja mit Matthias zusammen? :-)
    Wir freuen uns auf jedenfall über jedes Feedback!

    VG Miro

  6. Jack

    Von der Einsamkeit kann ich euch ein Lied singen. Bin 26 Jahre und seit 5 Jahren Unternehmer mit sogar 11 Mitarbeitern. Alles in allem wahrscheinlich eine schöne finanzielle Zukunft – allerdings ist ab dem Feierabend echt soziale Sendepause angesagt. Damals als ich noch ne Freundin hatte sind wir dann Essen, Kino, Wellness, etc. gegangen. Da ich eine ausschliesslich geschäftliche Beziehung zu meinen Arbeitnehmer habe reduziere ich auch Small Talk auf ein Minimum um zu vermeiden dass durch mein junges Alter eine Art “Wir-Gefühl” bei meinem Personal entstehen könnte. Du musst dir im klaren sein dass wenn du der Chef bist auch allzu lange Small Talks schädlich für deine Autorität sein können. Am Wochenende geht’s dann meistens auf die Piste mit meinen Kumpels. Da ich nun mittlerweile an dem Punkt angelangt bin wo so ziemlich alles ohne mich läuft habe ich auch in der Woche frei. Für 2013 ist geplant mir Europa anzuschauen.

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